Systemische Beratung

Dieser beraterische und therapeutische Ansatz richtet den Blick stets auf Beziehungsgeflechte zwischen Menschen. Davon ausgehend, dass jeder Mensch zwar ein autonomes Individuum ist, werden persönliche Probleme, Konflikte und Krankheiten darüber hinaus in einen Zusammenhang mit den jeweiligen Lebenskonzepten und relevanten Beziehungen gestellt.

 

Soziale und psychische Probleme werden als verstehbare Reaktionen auf Anforderungen von „außen“ betrachtet. Die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen werden gestärkt, ein Perspektivenwechsel ermöglicht und mithilfe einer Vielfalt an kreativen Methoden die Suche nach einer Veränderung unterstützt.

 

Der Systemische Ansatz geht von der Grundannahme aus, dass psychische Probleme und Störungen nicht die „Krankheit“ einer isolierten Einzelperson darstellen. In den Blick gerät die soziale Gruppe, das „System“, innerhalb dem ein Mensch agiert, mit dem er kommuniziert und mit dem er in wechselwirkender Beziehung steht.

Dies können Ursprungs- und Wahlfamilien, Arbeits- oder Wohnzusammenhänge, die Nachbarschaft oder Freundschaftskreise, Gruppen oder Paarkonstellationen sein.

 

 

(Psychische) Erkrankungen oder persönliche Schwierigkeiten  werden folglich als Störung der System-Umweltpassung definiert.

 

Beispielsweise können Kinder, die im schulischen Alltag ein problematisches Verhalten oder eine körperlich bedingte Krankheit wie Asthma entwickeln, „SymptomträgerInnen“ von innerfamiliären Konflikten sein. Die „Heilung“ besteht also möglicherweise nicht in der „Bekämpfung des problematischen Verhaltens“ des Kindes oder der ausschließlich schulmedizinischen Behandlung. Betrachtet wird das zugrundeliegende Muster und eine Modifikation von Verhalten und Interaktion unter Einbeziehung von Familienmitgliedern oder wichtiger Bezugspersonen angeregt. Auf diese Weise kann Bewegung in das jeweilige System kommen und eine positive Veränderungen in Gang gebracht werden.

 

Für die Durchführung von systemischer Einzelberatung und –therapie stehen verschiedene Methoden ebenfalls zur Verfügung.

Der systemische Ansatz geht darüber hinaus davon aus, dass es nicht die eine „richtige“ Wirklichkeit gibt, sondern derer verschiedene existieren.

 

Im jeweiligen eigenen Leben entwickeln wir Betrachtungsweisen und „Muster“, die zur Konstruktion der – eigenen – Realität führen. Mithilfe  von Gesprächen und kreativen Methoden wie z. B. Aufstellungen oder Symbolarbeit werden die eigenen Vorstellungen, Wertmaßstäbe und Glaubenssätze sichtbar gemacht und angeschaut. Auf diese Weise gerät Bewegung in das System, die „Spielregeln“ können verändert, gewohnte Kommunikationsformen und starre Verhaltensweisen in Frage gestellt werden.

 

Grundsätzliches Ziel der systemisch orientierten Arbeit ist es, Autonomie und Selbstwert jeder einzelnen Person zu stärken und den Austausch mit dem jeweiligen „Umfeld“ zu verändern und zu verbessern.

 

Bestandteil ist der Blick auf und die Förderung von Ressourcen und Fähigkeiten, die ein Mensch selbst in problematischen Verhaltensweisen oder krisenhaften Situationen – wenn auch versteckt oder  vergraben – befähigt, eine andere Verhaltensweise zu entwickeln. „Der/die KlientIn ist der/die ExpertIn“ – so in etwa ließe sich eine wichtige systemische Haltung  definieren. Sie ist geprägt von Respekt, Achtsamkeit, Unvorein-genommenheit, dem Interesse an der Lebenswelt der KlientInnen und deren bisherigen Handlungs- und Lebensstrategien.

 

Systemische Beratung und Therapie hat heute verschiedenste Wirkungsfelder:

• Beratung von Einzelpersonen

• Paarberatung/Therapie

• Beratung von Freundschaftsbeziehungen

• Familienberatung/Therapie

• Organisationsberatung

 

Was ursprünglich als systemische Familientherapie begann hat heute viele Bereiche von Beratung, Sozialarbeit, Coaching und Supervision geprägt und ist aufgrund seiner Effektivität und seiner wertschätzenden Arbeitsweise nicht mehr wegzudenken.

 

Zu Sitzungen mit Einzelpersonen können – und dies ist sehr hilfreich – die Bezugspersonen des Systems eingeladen werden.

 

Im psychotherapeutischen Bereich zeigen sich vor allem Erfolge durch die Heilung von psychischen und psychosomatischen Problemen und Störungen. Systemische Beratung unterstützt bei der Lösung von Generations-, Ablösungs-, Entscheidungs-, Trennungsproblemen und interpersonellen Konflikten.

 

Da der Fokus mehr auf der Entwicklung geeigneter Lösungen liegt, ist es wichtig, zu Beginn der Sitzungen den „Auftrag“ zu klären und Ziele zu entwickeln, die sich selbstverständlich im Laufe der Sitzungen auch ändern können.

 

Die Abstände zwischen den Terminen sind in der Regel größer als bei anderen Beratungs- oder Therapieformen, da die Beratenden durchaus auch „Hausaufgaben“ verschreiben können. Mit ihnen können neue Verhaltensweisen ausprobiert oder verworfen werden, bevor die KlientInnen in das beratende oder therapeutische Setting zurückkehren.

 

Systemischen BeraterInnen und TherapeutInnen steht ein breites Repertoire an Techniken zur Verfügung, um eine prozesshaft orientierte Veränderung zu unterstützen und zu begleiten.

 

Der systemische Ansatz schließt eine direktive Arbeitsweise aus, d. h. wir arbeiten transparent und zugewandt und halten uns mit Ratschlägen und Tipps zurück.

 

Im Gegensatz zu den klassischen tiefenpsychologischen Schulen, bei denen jeweils einen Protagonist (Freud, Adler, Jung u. a.) im Vordergrund stand, hat sich die Systemische Therapie aus vielen Schulen in den USA, Italien, Schweiz, Deutschland und an anderen Orten der Welt seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt.  An dieser zu den humanistischen Methoden zählenden Arbeitsweise waren und sind sowohl TherapeutInnen aus der Psychoanalyse, der Hypnotherapie wie auch dem Psychodrama oder der gestalttherapeutischen Richtung beteiligt. Moderne Konzepte der systemtheoretischen Wissenschaft haben mittlerweile Eingang in alle Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden.

 

Entsprechend den rasanten gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte werden Weiterentwicklung und Einbeziehung modifizierter Ansätze diskutiert und angestrebt.

 

Seit Dezember 2008 ist die Systemische Therapie und ihre Wirksamkeit auch in Deutschland wissenschaftlich anerkannt.